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Der Parkplatz ist morgens voll, und im Bewerbungsgespräch kommt regelmäßig die Frage nach der Anfahrt: Für viele Betriebe ist die Pendlermobilität zum Standortthema geworden. Und gerade bei der Pendlermobilität zeigt sich, dass kein Unternehmen das allein stemmen muss. Im FluidLife Expert Talk hat Michael Kieslinger mit Richard Preißler, Gründer von foama, darüber gesprochen, wie aus Parkplatzdruck ein tragfähiges Pendlerkonzept wird. Preißlers Leitsatz bringt seine Haltung auf den Punkt: „Ein guter Tag beginnt mit einem guten Weg in die Arbeit.“

Der rote Faden des Gesprächs: Mitarbeitermobilität endet selten am Werkstor. Wer sie ernst nimmt, denkt sie über den eigenen Zaun hinaus. Und der größte Hebel ist oft günstiger, als Betriebe vermuten.

Information schlägt Infrastruktur

Gerade im ländlichen Raum heißt es schnell, es gebe keine Alternative zum Auto. In der Praxis stimmt das selten. Häufig sind die Angebote längst da, nur kennt sie im Betrieb kaum jemand. Wer seit zwanzig oder dreißig Jahren dieselbe Strecke mit dem eigenen Auto fährt, hat die neue Buslinie, die dichtere Taktung oder das Leasingrad des Arbeitgebers meist gar nicht mitbekommen. Genau hier liegt für Preißler der wirksamste und zugleich günstigste Ansatzpunkt der Pendlermobilität: vorhandene ÖV-, Rad- und Mitfahrangebote sichtbar und tatsächlich nutzbar machen.

Am meisten bewirkt das zum richtigen Zeitpunkt. Lebensumbrüche wie ein Jobwechsel oder ein Umzug sind das Fenster, in dem neue Routinen entstehen. Für Betriebe heißt das konkret: Wer neuen Mitarbeitenden schon in der Onboarding-Mappe die passenden Optionen für ihren Arbeitsweg zeigt, erreicht viel mit wenig Aufwand. Wichtig ist der Kanal. foama setzt bewusst auf das, was ohnehin genutzt wird, meist die betriebliche E-Mail oder das Intranet, statt den Mitarbeitenden noch eine weitere App aufzudrängen. So bleibt die Hürde niedrig, und die Information zur Mitarbeitermobilität kommt dort an, wo sie gelesen wird. Wer tiefer einsteigen will, findet Anregungen im Beitrag Mobilitätsmanagement im Unternehmen starten.

Beeinflussen, ohne vorzuschreiben

Der Weg in die Arbeit bleibt Privatsache. Genau deshalb funktioniert Druck nicht. „Es ist nicht die Aufgabe von Unternehmen, [ihren] Arbeitnehmern […] den Pendelweg vorzuschreiben“, stellt Preißler klar. Was Arbeitgeber sehr wohl tun können: attraktive Angebote machen, die im Alltag Sinn ergeben, und sie selbst vorleben. Maßnahmen zur Mitarbeitermobilität verpuffen, wenn die Führungsebene nicht mitzieht.

Ein zweiter Hebel ist das Umfeld. Menschen ändern ihre Gewohnheiten eher, wenn Kolleg:innen vorangehen. Eine gemeinsame Challenge oder ein niederschwelliges Ausprobieren im Team wirkt oft stärker als jede Vorschrift. Wie sich Belegschaften aktiv einbinden lassen, zeigt der Beitrag Betriebliche Mobilität gemeinsam gestalten. Für die tägliche Anfahrt sind Fahrgemeinschaften im Unternehmen ein naheliegender Einstieg, weil sie ohne große Investitionen auskommen.

Erreichbarkeit ist ein Standort- und Kostenfaktor

Was nach einem weichen Thema klingt, hat harte betriebswirtschaftliche Seiten. Preißlers Zielgruppe sind kleine und mittlere Unternehmen im ländlichen und suburbanen Raum, wo noch wenig Wissen und wenige Prozesse zum betrieblichen Mobilitätsmanagement bestehen und sich trotzdem viel bewegen lässt. Der Kostenmehrwert von Pendlermobilität ist dabei oft überraschend hoch. Als Beispiel nennt Preißler das steuerlich geförderte Leasingrad in Österreich, mit dem sich je nach Anbieter fünf bis fünfzehn Prozent der Bruttolohnkosten einsparen lassen.

Dazu kommt die Produktivität. Preißler verweist auf eine finnische Studie, wonach regelmäßiges Radfahren am Pendelweg die Produktivität um neun bis zwölf Prozent steigert, weil Krankenstandstage zurückgehen. Und schließlich der Zugang zu Arbeitskräften: Junge Menschen machen seltener einen Führerschein und müssen den Standort trotzdem gut erreichen können. So wird die Erreichbarkeit des Standorts zum Standortfaktor, der auf Fachkräfte und Betriebskosten wirkt und die Mitarbeiterbindung stärkt. Einseitige Abhängigkeit vom privaten Pkw ist damit auch ein wirtschaftliches Risiko.

Die Rahmenbedingungen sprechen für einen Umstieg. Mehr als die Hälfte der jährlich verkauften Fahrräder sind laut Preißler E-Bikes, die das Einzugsgebiet eines Standorts spürbar vergrößern. Dazu kommen E-Scooter, die gerade in strukturschwachen Regionen genutzt werden, sowie der Ausbau des öffentlichen Verkehrs samt Klimaticket. Wer den Parkplatzdruck von der anderen Seite angehen will, findet Anregungen im Beitrag Zukunft des Parkens.

Von der Einzellösung zur Mobilitätsgemeinschaft

Der spannendste Teil des Talks beginnt beim Satz, den man in vielen Betrieben hört: Alleine können wir ohnehin nichts verändern. Preißler dreht das um. Kein Betrieb steht für sich, jeder ist eingebettet in ein Gewerbegebiet, eine Gemeinde und die vorhandene ÖV-Struktur. Der erste Schritt ist deshalb der Dialog mit anderen Unternehmen, mit regionalen Verbänden und mit der Politik. „Gemeinsam ist man da immer stärker.“

Damit wird betriebsübergreifende Mobilität vom Schlagwort zur Praxis. Was ein einzelner Betrieb nicht auslastet, wird im Verbund tragfähig, vom überbetrieblichen Shuttle bis zu geteilter Park- und Ladeinfrastruktur. Merkt ein Nachbarbetrieb, dass die Mitfahrbörse nebenan funktioniert, entsteht daraus schnell eine gemeinsame Lösung. Entscheidend sind die „Kümmerer“, also Menschen, die das Thema mit Motivation vorantreiben, im Betrieb ebenso wie bei Verbänden, Modellregionen oder in der Politik.

Sein Leitbild kommt aus der Energiewelt. In Österreich schließen sich Bürger:innen längst zu Energiegemeinschaften zusammen, bauen PV-Anlagen auf die Dächer und handeln Strom, mit einem Vorteil für alle Beteiligten. Genau diesen Gedanken überträgt Preißler auf die Alltagsmobilität:

„Meine Überzeugung ist […], dass es so etwas wie Mobilitätsgemeinschaften braucht, wo genau dieser Gedanke des ‚machen wir es zusammen‘ übertragen wird […] auf die lokale Standorterreichbarkeit.“

Richard Preißler, foama.at

Dass eine Mobilitätsgemeinschaft kein reines Zukunftsbild ist, zeigt sein Projekt in der Klima- und Energie-Modellregion Retzerland. Beim Retzer Mobilitätssprint startet foama gemeinsam mit lokalen Betrieben eine überbetriebliche Mobilitätserhebung, verbunden mit einer Kampagne. Jede:r Teilnehmer:in erhält individuelle Einspar- und Umstiegsempfehlungen, niederschwellig per E-Mail, ohne App und ohne GPS-Tracking. Das Motto: „nichts muss, alles kann.“ Am Ende steht ein regionaler Datensatz, mit dem sich das Mobilitätsangebot der Region langfristig verbessern lässt.

Was du konkret mitnehmen kannst

1

Für HR- und People-Teams: Leg den Grundstein beim Onboarding. Wer neuen Mitarbeitenden von Tag eins die passenden Optionen für ihren Arbeitsweg zeigt, nutzt das Zeitfenster, in dem Routinen wirklich entstehen.

2

Für Mobilitäts- und Facility-Verantwortliche: Verschaffe dir zuerst einen Überblick über das, was es schon gibt. Standortanalysen und Befragungen machen sichtbar, welche ÖV-, Rad- und Mitfahrangebote real nutzbar sind, bevor Budget in neue Infrastruktur fließt.

3

Für die Geschäftsführung: Behandle die Erreichbarkeit des Standorts als Standort- und Kostenfaktor. Sie wirkt auf Fachkräftegewinnung und Betriebskosten und stärkt die Mitarbeiterbindung, deshalb gehört sie auf die strategische Agenda.

4

Für Gemeinden, Regionen und Modellregionen: Sucht die „Allianz der Willigen“. Was ein einzelner Betrieb nicht stemmt, wird im Verbund aus Unternehmen, Verbänden und öffentlicher Hand tragfähig.

Preißlers Fazit ist eine Einladung: nicht auf die perfekte Lösung warten, sondern mit anderen ins Tun kommen. Denn kein Betrieb muss die Pendlermobilität allein lösen.

Den ganzen Expert Talk mit Richard Preißler kannst du dir in Ruhe ansehen. Du willst wissen, wie sich das auf deinen Standort übertragen lässt? Buch dir einen ersten Kennenlern-Termin oder sieh dir unser betriebliches Mobilitätsmanagement Module an.

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